Sonntag, 18. Dezember 2011

ROCK-OLA 1484

































Bereits seit einiger Zeit liebäugelte ich mit einer Jukebox. Ich stöberte im Netz sowie auf den bekannten Online-Plattformen und musste feststellen, dass es sehr schwierig werden könnte, eine Musikbox in funktionstüchtigem Zustand zu finden. Nachdem ich die Fabrikate der verschiedensten Hersteller begutachtete war schnell einmal klar, eine Rock-Ola soll es werden. Neben den beiden anderen bekannten amerikanischen Jukebox Herstellern Wurlitzer und Seeburg ist Rock-Ola die klassische Jukebox schlechthin. Der Brand, der in Chicago, Illinois beheimateten Rock-Ola, leitet sich vom Rock n' Roll ab, denn Rock-Ola-Jukeboxen hatten ihre Blütezeit in den 50er-70er Jahren, in denen auch Elvis und seine Freunde die Billboard Charts anführten. So findet sich denn auch heute noch kaum eine Box ohne eines Hits des King.

Neben Musikboxen produzierte Rock-Ola einarmige Banditen und Flipperkästen (slot- and pinball-machines) aber auch Gewehre für den Einsatz der Allierten im zweiten Weltkrieg. Nach dem Erfolg in den Staaten gelangten die Jukeboxen später nach Europa und standen in Bars, Restaurants, Cafés oder Gelaterien.
Jukeboxen können generell in zwei Epochen eingeteilt werden, welche auch gerade für den signifikanten Preisunterschied verantwortlich sind: Boxen vor ca. 1963 und solche die später produziert wurden. Das spezielle der teureren vor 1963 hergestellten Boxen ist der Sichtmechanismus. Das heisst, man sieht den ganzen Ablauf: vom Suchen übers Finden bis zum Abspielen der Single. 

Während dies später alles hinter Holz oder Plexiglasscheiben ablief, so kann man bei den alten Geräten, welche das Vinyl richtiggehend zelebrieren, in die Fünfziger und Sechziger Jahre eintauchen. Modelle wie Empress, Capri, Tempo oder der bekannte "Eispickel" knacken in gutem Zustand locker die 10'000 Franken-Grenze und sind in Sammlerkreisen sehr gesucht und begehrt. Die verwendeten Materialien waren fast ausschliesslich Holz an den Rück- und Seitenwänden, sowie Glas und Chrom, als Anlehnung an die amerikanischen Autos der damaligen Zeit (z.B. Cadillac) auf der Frontseite.

Wie zu Beginn erwähnt ist es ausserordentlich schwierig Boxen in einem guten Zustand zu finden. Einerseits haben sie vielfach mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel und die Mechanik über die Jahrzehnte mitgelitten oder dann sind sie verbastelt, der Chrom in einem schlechten Zustand usw.
Schlussendlich wurde ich dann doch noch fündig und eine 1960er Rock-Ola 1484 fand den Weg in unser Wohnzimmer. Seit knapp einem Monat steht das gute Stück nun da und spielt tagtäglich die Lieblingsplatten der ganzen Familie. Während meine Frau vielfach im Vorbeigehen schnell noch C4 (Otis Redding - Sittin' on the dock of the bay) anwählt, setzt sich unser Sohn gemütlich in den Lounge Chair und zieht sich seine tägliche Ration E9 und F9 (Trudi Gerster - Rotchäppli und Aschenbrödel) rein. 
Das Bestücken mit 45s hat sich denn auch schwieriger herausgestellt als angenommen. Zuerst wollte ich ein paar spezielle Soul und Funk Singles einfüllen, doch schon nach ein paar Tagen war klar, dass diese kaum gespielt wurden. Heute setzt sich die Selection aus Classics verschiedenster Genres zusammen. Es sind Stücke, zu denen wir eine ganz spezielle Beziehung haben, die uns auch nach dem hundersten Mal abspielen noch nicht nerven. So treffen die Beatles auf Nina Simone, Neil Young auf Aretha Franklin, Bobby Hebb auf Joan Baez, Amy Winehouse auf Trudi Gerster oder Horace Silver auf Ruedi Rymann. 

Sonntag, 29. Mai 2011

DENNIS COFFEY IS BACK


Der "guitar-break"-Altmeister ist zurück. Gestern Morgen war ich kurz bei Wab im Co-Mix Remix, um mir die neue Booker T zu holen. Er erzählte mir, dass auch Dennis Coffey eine neue Platte rausbringt und ich mir die unbedingt anhören soll. Nach den bad News über Gil Scott Herons Tod (R.I.P., 1. April 1949 - 27.5.2011) kamen mir diese good News mehr als gelegen. Zu Hause hab ich mich dann sofort ans online-diggen gemacht und fand auf Dennis Coffey's site auch gleich obenstehenden Promoclip fürs aktuelle Album.

Wow, der Hammer! Detroits Meistergitarrist geht back zu seinen roots und orientiert sich an seinem ersten (und meiner Meinung nach besten) Album "Hair and Thangs" (Maverick/Venture 1968).







Nicht ganz ernst gemeint aber dennoch ziemlich amüsant ist der Clip zu Dennis Coffeys Coverversion von Cee-Lo Greens smash-hit "Fuck you".



Also, kauft euch die Doppel-LP und ihr werdet euch fühlen wie Jim Brown in "Black belt jones"!




Sonntag, 3. April 2011

FLOHMARKTTAGEBUCH

Folgender Eintrag bestätigt die Befürchtung verschiedenster Forscherteams namhafter Universitäten, dass das Herzinfarktrisiko von Plattensammlern und Vinyljunkies stark erhöht ist.


Ich war heute Morgen auf dem Flohmarkt. Neben dem üblichen Heintje-Schrott gabs eine Kiste, die noch interessant aussah. Natürlich war schon einer dran und ein zweiter stand an. Also musste ich mich wohl oder übel gedulden, bis ich an der Reihe war. Natürlich konnte ich es nicht lassen, während die anderen die Kiste durchdiggten, schon mal einen Blick draufzuwerfen. Ein bisschen Beat, Rock und Singer-Songwriter Zeugs, ganz okay, aber nicht weltbewegend - und dann plötzlich... "SHIT! Wieso war ich nicht zuerst an der Kiste, weshalb ging ich nicht zuerst an diesen Stand, weshalb stand ich nicht früher auf, usw." Der Typ nahm die Platte raus und ich dachte nur "Scheiss Sonntag!". Er drehte sie um, las ein paar liner notes und steckte sie weider in die Kiste. "YEAH!". Er kaufte nichts.
Dann kam Nummer zwei. Ich versuchte von seinem Aussehen her, auf seinen Musikgeschmack zu schliessen. Er war für mich so der Triple B-Typ (Beatles, Beach-Boys, Bee-Gees). Trotzdem machte ich mir gewisse Sorgen, und die schienen nicht unbegründet. Denn als er nach etwa dreiviertel Kisten an die Stelle kam mit der (für mich bestimmten) Platte, hatte auch er die Frechheit sie rauszuzupfen... um sie dann ein paar Sekunden später (so lange dauerte auch mein Herzstillstand) völlig irritiert wieder reinzustecken. Kurz darauf bezahlte er seine Daliah Lavi LP und ging. 
Dann endlich gehörte die Kiste mir, und obwohl ich ja schon zwei mal gesehen habe, dass ausser dieser einen Platte nichts drin war, was mich wirklichen interessierte, diggte ich ganz ruhig auf die Dreiviertel zu. Währenddessen fragte ich mich noch kurz, ob ich mit der Triple-B-Einschätzung betreffend Daliah Lavi total danebenlag, oder ob die Israelitin auch ins Muster passt. Egal, es trennten mich noch knapp 3 cm vom perfekten Start in einen sonnigen Sonntag. Dann stand sie da. Wir schauten uns an und es war Liebe auf den ersten Blick. Doch bekannterweise zählen nicht bloss Äusserlichkeiten, sondern auch die inneren Werte. Und schon manch perfektes Sleeve offenbarte eine zerkratzte oder sogar falsche Platte. Doch heute Morgen war alles perfekt, also "near mint"! 
"Was kostet die?" 
"2 Franken!" 
"Okay. Merci und noch einen schönen Sonntag!"


Sonntag, 27. März 2011

BERNARD PURDIE


Red Bull music academy machte es möglich. "The world's most recorded drummer" (über 4000 Alben!), Mr. Bernard "Pretty" Purdie kam am 23. März 2011 nach Zürich und gab im kleinen Rahmen ein paar Anekdoten aus seinem Leben zum Besten. Mein Kollege und Musikfachmann Patrick Sigrist leitete das Interview, das sich schon nach kurzer Zeit zum Selbstläufer entwickelte, denn auch der lyrische Purdie-Shuffle kam schnell in Fahrt und vermochte dem gebannt zuhörenden Publikum etliche Male ein Schmunzeln zu entlocken.

Purdies Geschichte beginnt 1939 in Elkton, Maryland, wo er als drittjüngstes von 13 Kindern zur Welt kam. Schon in seiner frühesten Kindheit bearbeitete er rhythmisch Mamas Kochtöpfe; selbstverständlich die ausgedienten. Vergriff er sich an den neuen, konnte es schon mal vorkommen, dass plötzlich klein Bernard anstelle der Töpfe die Schläge kassierte. In einer Grossfamilie heranwachsend, musste Purdie auch lernen, sich gegen seine älteren Geschwister zu behaupten, was anscheinend nicht immer einfach war. In der schuleigenen Band wollte er sich dann natürlich gleich an die Drums setzen, doch der Platz war bereits vergeben. So sollte er sich zuerst an der Trompete und später sogar an der Flöte versuchen. Der achtjährige Purdie verstand die Welt nicht mehr, er war doch schliesslich der beste Drummer in ganz Elkton. Doch etwas Gutes hatte das ganze, er lernte Noten lesen. Dies und seine ersten Auftritte hatte er seinem damaligen Schlagzeuglehrer Leonard Heywood zu verdanken. Jedes Wochenende hatte Heywoods Band Gigs, und nach dem ersten, zweistündigen Set kam Purdie in Spiel. Er organisierte seinem alkoholabhängigen Lehrer ein grosses Glas Wasser (in Wirklichkeit Wodka oder Gin), worauf dieser nicht mehr in der Lage war, das zweite Set zu spielen und dieses schlafend im Auto verbrachte. Anstelle spielte der 12jährige Purdie das zweite Set, begeisterte das Publikum und begann so, Wochenende für Wochenende seinen Traum zu leben.

1961 zog es Bernard Purdie nach New York City und er merkte sofort “I knew right away that’s what I wanted to do with the rest of my life. No matter what happened, I wanted to play the drums.” An einem Tag verdiente er für eine vierstündige Session 80$. "Man, I was rich, normally we got 15 dollars a week!". Ein paar Tage später suchte Barney Richmond eine Drummer für eine Aufnahme mit Doris Troy. Purdie meldete sich sofort, doch Richmond wollte einen "richtigen" Drummer. Purdie liess jedoch nicht locker, ging ins Studio, setzte sich an die Drums und spielte den Track mit der Band ein. Es war ein "One-Take" und wurde zum ersten Hit mit Purdie an den Drums. Der Song "Just one look" erreichte Platz 3 in den R&B-Charts und blieb zwei Monate in den Top-Platzierungen.


Nach diesem Erfolg war der Weg für den Ausnahmedrummer geebnet. Es war auch die Zeit, als Bernard Purdie seinen Spitznamen "Pretty" bekam. Einer, der Purdie für Aufnahmen wollte, konnte seinen Namen nicht aussprechen und ihn sich auch nicht merken "Get me that guy, Pretty, or whatever his name is". Für den Fall, dass sich immer noch jemand nicht an seinen Namen erinnerte, schrieb er auf ein Stück Karton "Pretty Purdie: If you need me, call me - the little old hitmaker" und stellte es vor sein Drumkit.

Von da an spielte Purdie jahrzehntelang (manchmal bis 15 Sessions in der Woche!) auf den besten Alben der besten Musiker. Die Liste der Künstler, mit welchen Purdie zusammen arbeitete, lässt einen vor Ehrfurcht fast erblassen: The Rolling Stones, The Beatles, Aretha Franklin, James Brown, Bob Marley, Joe Cocker, B.B King, King Curtis, Donny Hathaway, Jimmy McGriff, Lou Donaldson, Steely Dan, Gil Scott-Heron, King Curtis,  Miles Davis, Dizzy Gillespie, Quincy Jones, Isaac Hayes, Cat Stevens, Louis Armstrong, Ray Charles usw.

Speziell war besimmt seine Zusammenarbeit mit der "Queen of Soul", Aretha Franklin. Von den Soul-Knallern "Think" und "Respect" über einer der schönsten Soul-Songs ever "I saw a little prayer" bis hin zum B-Boy Klassiker "Rock Steady". In einem CNN Interview hat er behauptet, er spiele jeweils nur für Aretha und sie singe nur für ihn. Am nächsten Tag bei der recording session erntete er dafür ein paar böse Blicke und Worte der Queen, er revanchierte sich allerdings erneut, und zwar am "Live at Fillmore West" Konzert, als er auf der Seite des Publikums stand und Aretha drei Zugaben absolvieren liess, obwohl diese schon lange die Bühne verlassen wollte.
Auf seinem 72er Album "Soul is... Pretty Purdie" zollte er seiner Soulsister number one mit der Hymne "A song for Aretha" Respekt.



Neben der Queen spielte Purdie auch mit dem Godfather of Soul, mit dem (neben Purdie) hardest working man im Showbusiness, Mr. James Brown. Da trafen zwei Dickköpfe aufeinander, die sich nichts schenkten. Brown feuerte Purdie einmal aus der Band, weil er seine "Strafe" von 20 $ nicht bezahlen wollte (Brown kürzte jeweils seinen Bandmitgliedern die Gage für falsch gespielte Töne oder verpasste Einsätze). Purdie sagte, er hätte keinen Fehler gemacht. Zwei Jahre später war er wieder für ein paar Aufnahmen und eine Tour in der Band. Purdie diktierte dem Godfather allerdings seine Konditionen und stand Brown in Sachen Sturheit in nichts nach. Trotzdem gelang es den beiden, etliche Hits abzuliefern, darunter "Cold Sweat", "Sex Machine" oder "It's a man's man's world".

Eine weitere Zusammenarbeit, welche nun seit über 40 Jahren anhält, ist jene mit Galt McDermot. "Two weeks ago, we played a gig together in New York". Vor zwei Jahren spielte Purdie am Broadway in McDermots Hit-Musical "Hair". Dass McDermot und Purdie seit Jahren ein eingespieltes Team sind, ist auch auf dem folgendem Track "Cold Coffee" zu hören.




Gegen Ende des Interviews konnte das Publikum Purdie mit Fragen löchern. Purdie erzählte unter anderem von Beck, der "Soul Drums" von seinem gleichnamigen Album für den Track "devil's haircut" sampelte. Zuerst war Purdie ein wenig sauer, doch "this guy Beck really put me on the map and I'm thankful for that. People began to sample from my own records, so I got the credits and the money. As long as they sampled the drums from a James Brown record, it was James Brown who got the money, not the drummer. I earn a way more money today, as I got in my recording sessions back in the days."

   

Was denn für ihn "Groove" bedeute, wollte jemand wissen. "Sure you've got to have the technical skills, but it's all about time and feel. And about the positive vibes. If you play in an angry mood, the sound would be angry, so you've got to play in a positive way" - und das demonstrierte der Meister dann auch gleich persönlich.



Weiter wollte eine junge Frau wissen, ob denn Purdie verheiratet sei. Nachdem er sich von seinem Lachanfall erholt hatte, meinte er nur "Yeah, I was married. Two times. I've got seven kids, 14 grandchildren and 15 great-grandchildren... that was the first time in the last 20 years I have been asked that question...". Und nachdem Purdie bereits zu Beginn des Interviews von Damen schwärmte, war sich wohl auch der eine oder die andere im Publikum nicht ganz sicher, ob Purdies Gene nur innerhalb dieser beiden Ehen weitergegeben wurden.

Zum Schluss fragte ich noch, ob er uns denn noch ein wenig über "Lialeh", den Blaxploitation-Movie, für dessen Soundtrack er verantwortlich zeichnete, erzählen könne. Und da war es erneut, dieses verschmitzte Lachen auf Purdies Lippen "Oh man, you did your homework too. Lialeh was the first black porn movie and I composed the music. We also did the title Track in the opening movie scene. While we were playing, suddenly a naked woman was dancing around us musicians. We were totally freaked out and didn't know where to look at... We did this scene 20 times but for the final cut they kept the first take, it was the funniest one because of our reaction on the dancing girl!"




Im Anschluss an das wirklich gelungene Interview und Purdies atemberaubenden Kostproben seines Könnens signierte er auch noch mitgebrachte Platten; ein toller Abend! Ein grosser Dank geht an die Red Bull Music Academy, welche solche Anlässe möglich macht! 
Noch dieses Jahr soll Purdies Biografie erscheinen. Bernard "Pretty" Purdie, der rote Faden durch die Studiomusik der letzten 50 Jahre, Pflichtlektüre!

http://www.bernardpurdie.com/



Samstag, 19. März 2011

REST IN PEACE MELVIN SPARKS

Am 15. März 2011, eine Woche vor seinem 65. Geburtstag, ist einer meiner Lieblingsgitarristen unerwartet an Herzversagen gestorben. Melvin Sparks stand bis zuletzt auf der Bühne und gab Konzerte. Bereits vor einem Jahr schrieb ich anlässlich seines Geburtstages einen kurzen Beitrag und nun ist seine Gitarre für immer verstummt. Seine Soli bleiben uns zum Glück auf seinen eigenen und den unzählig weiteren Veröffentlichungen erhalten.
Rest in Peace, Melvin!

Lou Donaldson - Hot Dog (Blue Note)
Leon Spencer Jr. - Sneak Preview! (Prestige)
Ceasar Frazier - Hail Ceasar (Eastbound)
Idris Muhammad - Black Rhythm Revolution! (Prestige)
Melvin Sparks - Texas Twister (Eastbound)







Donnerstag, 20. Januar 2011

ALICE CLARK














ARTIST: ALICE CLARK
LABEL: MAINSTREAM RECORDS 362
RECORDED: 1972

My new record of the month!

Alice Clarks Album ist vielleicht die beste Female-Soul-Platte, die je produziert wurde. Wer James Browns funky Divas à la Lyn Collins, Marva Whitney oder Vickie Anderson mag, wird Alice Clark lieben. Die Platte lässt sich ohne Durchhänger von A bis Z durchhören. Die vom bekannten Ernie Wilkins arrangierten Soul-Nummern kommen mal jazzy, mal funky oder mit einem Schuss Blues daher und Alice Clark singt dazu mit ihrer klaren, bestechenden Soulstimme, als wäre es das einfachste der Welt. Es stechen keine einzelnen Tracks wirklich heraus, es ist vielmehr das von Labelgründer Bob Shad produzierte Gesamtwerk, das dieses Album zu einem Soul-Meilenstein und meiner momentanen Lieblingsplatte macht.
Das Mainstream-Label wurde 1964 gegründet und veröffentlichte neben Rockigem auch zahlreiche Jazz-Alben bekannter Künstler wie Blue Mitchell oder Charles Kynard. Das Cover-Artwork ist ein Erkennungszeichen des Labels. Bei vielen Veröffentlichungen ziert ein von einem weissen Rahmen umgebenes Foto des Künstlers, ergänzt mit Name und Labelnummer, die Plattenhülle.





Sonntag, 5. Dezember 2010

THE VALUE OF RECORDS

Vor ein paar Wochen wechselte auf Ebay eine Platte für 1'575 USD den Besitzer. An sich nichts besonderes, doch für mich schon, denn dieser heilige Gral des Latin-Jazz steht auch in meiner Sammlung. Die Platte ist toll, keine Frage, aber über fünfzehn-hundert Dollar? Dafür bekommt man ein billiges Occasionsauto oder man wohnt einen Monat. Für Aussenstehende scheinen solche Preise exorbitant, für Plattensammler sind sie (leider) Realität. Was natürlich noch lange nicht heisst, dass alle Vinylfanatiker solche Summen ausgeben. Auf jeden Fall war der Endpreis dieser Auktion für mich Anlass genug, wieder mal über den Wert von Platten zu sinnieren.


Schallplatten haben wie viele andere Sammelobjekte einen materiellen und einen idellen Wert. Der materielle ist mehr oder weniger objektiv und richtet sich bei gesuchten Originalpressungen nach Ebayauktionen (popsike) oder Händlerlisten. Natürlich bestimmen auch Nachfrage und Angebot den Preis. Dabei ist interessanterweise zu beobachten, dass Reissues vielfach den Preis des Originals in die Höhe schnellen lassen, anstatt umgekehrt wie vielleicht angenommen. Doch was bringt einen Sammler dazu, das zigfache des Preises einer Nachpressung für ein Original auszugeben? Es gibt sicherlich verschiedene Beweggründe. Manchmal ist die Soundqualität besser oder die Verarbeitung des Covers hochwertiger. Realistisch betrachtet sind dies jedoch keine plausiblen Gründe, um diese Preise zu rechtfertigen. Aber die Sammler und Jäger - Orginalfetischisten sind wohl fast ausschliesslich männlichen Geschechts - sind auch keine Realisten, sondern kranke Süchtige. Sie wollen das Original, um fast jeden Preis. Lieber keine neuen Schuhe, obwohl die alten Löcher haben, oder ein paar Wochen einen auf Vegetarier machen, um das so gesparte Geld in Vinyl zu investieren. 

Einen hohen Suchtfaktor hat auch das "Diggen", also das Suchen nach Platten. Sei dies auf Flohmärkten, in Brockenhäusern oder neuzeitlich auch virtuell, auf dem weltweiten Netz. Der Kick hierbei ist das Finden einer wertvollen Platte, die man nun fast umsonst bekommt. Natürlich ist die Chance relativ klein, doch aus eigener Erfahrung kann ich schreiben, dass ich immer wieder richtige Perlen gefunden habe. Und war's mal nicht mein Musikgeschmack, hab ich die Platte verkauft und mir damit etwas von meiner Wantslist finanziert. Das Faszinierende am Plattensammeln ist auch der Moment, in dem man die Platte, welche seit fünf Jahren auf der Suchliste steht, endlich sein Eigen nennen kann. Ich hatte früher ziemlich viele Platten und hab mit der Zeit fast den Überblick verloren. 
Afrika Bambaataa aka the "Master of Records" sagte einmal, er kaufe sich eine Platte einfach ein zweites oder drittes Mal, denn das würde eindeutig schneller gehen als die Platte in seiner Sammlung zu suchen, respektive zu finden. Seit Jahren bin ich daran auszumisten, und was ich nicht mehr höre, oder auch Platten, die man relativ leicht wieder finden kann, werden verkauft, um den Erlös sogleich wieder in neues Vinyl zu investieren. Der Kern meiner Sammlung umfasst nur ein paar hundert Platten, sozusagen meine persönliche Essenz jedes Genres. Dafür hat fast jede LP ihre Geschichte (hier wären wir nun beim ideellen Wert), und sie finden auch immer wieder den Weg auf meinen Plattenspieler, was bei grossen Sammlungen fast nicht möglich ist. Anzeichen für eine zu grosse Sammlung sind meiner Meinung nach, wenn man gar nicht mehr weiss, welche Platten man alle besitzt. Um dies herauszufinden, gibt es ein kleines Spiel: Man bittet eine Person, blindlings ein paar Platten aus der Sammlung rauszupflücken und dann von jeder ein beliebiges Stück laufen zu lassen. Wenn man dann die Platte nicht erkennt, hat man bereits verloren. Ich habe vor 10 Jahren regelmässig verloren.
Aber wo liegt jetzt nun eigentlich die Schmerzgrenze des Kaufpreises einer Schallplatte? Ich kenne Sammler, die geben nie mehr als 50 $ für eine Platte aus, andere nicht mehr als 100 $, bei wieder anderen ist die Grenze bei 1000 $ und für die letzten ist wohl die Frage des Preises gar keine. Noch eine Stufe abstruser wird es bei denjenigen collectors, welche "sealed records", also noch verschweisste Platten, sammeln. Sie kaufen also für Unsummen Tonträger, ohne dass je eine Nadel das Vinyl sieht. Sie wissen nicht mal mit absoluter Sicherheit, ob die richtige Patte in der Hülle ist. 
Die extremste Aussage, welche ich je gelesen hatte, war diejenige von Tim Brown in Kev Roberts Northern Soul Bibel "Northern Soul Top 500". Tim besitzt eine von zwei bekannten Soul 45s von Frank Wilsons "Do I love you (indeed I do)". Der schottische DJ und Sammler Kenny Burrell kaufte 1999 die andere 7-inch und bezahlte dafür 15'000 GBP. Tim meint dazu: "A truly awesome piece of vinyl, and worth every penny of fifteen grand!" Hier könnt ihr euch den Song anhören, entscheidet selbst ob jede Sekunde 155 Dollar Wert ist.






Sonntag, 21. November 2010

A TRIBUTE TO THE BEATLES

The Beatles. John, Paul, George und Ringo. Die vier Jungs aus Liverpool, England, haben mit ihrem Sound die Welt verändert. Kaum ein Tag, an dem nicht ein Song des berühmtesten (und besten?!) Songwriter-Duos Lennon/McCartney (28 Nr.-1-Singles in den USA) aus der Radiobox rieselt. Sie verkauften mehr Tonträger als alle Künstler vor und nach ihnen (ca. 1.3 Milliarden). Ich könnte noch seitenweise Superlativen der Band auflisten, doch für die meisten ist sowieso klar, dass The Fab Four die Band schlechthin waren, sind und für immer bleiben werden.

Die Pilzköpfe haben ihre wichtigsten Alben, darunter das erste Konzeptalbum der Popmusik "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" oder eines meiner liebsten "Abbey Road", alle zwischen 1963 (Please Please Me) und 1970 (Let it be) aufgenommen. In einer Zeit also, in der z.B. auch James Brown seine grössten Hits schrieb. Die 60er waren in der Geschichte der schwarzen Musik die Jahre des Soul, welcher dann anfangs der 70er vom Funk abgelöst wurde. Für mich musikhistorisch eines der wichtigsten Jahrzehnte überhaupt. Meine Plattensammlung würde um fast einen Drittel schrumpfen, müsste ich diese Jahrgänge aussortieren. Und gerade weil die Dichte des musikalischen Schaffens in dieser Ära so unglaublich gross war, beeinflussten sich die Künstler gegenseitig und viele Songs erhielten eine neue Seele eines anderen Genres eingehaucht. Es war also nur eine logische Konsequenz, dass Tausende von Künstlern sich an den Songs der Beatles bedienten, resp. vergriffen. Eine nicht alltägliche Auswahl aus den Genres Folk, Jazz, Rock, Soul, Reggae und Funk hab ich hier für euch ausgegraben und zusammengestellt. "Just hit the play (or download) button, and enjoy the worlds greatest band like you've never heard them before!"

DOWNLOAD DJ PESA's tribute to THE BEATLES


Donnerstag, 4. November 2010

HAPPY BIRTHDAY LES DEMERLE

Lester William DeMerle wird heute 64 Jahre alt. Normalerweise ein Alter, um in Rente zu gehen, oder? Aber gibt es überhaupt pensionierte Musiker - wohl nicht. Der in Brooklyn, New York, geborene Drummer (und Sänger!) studierte Schlagzeug und Perkussion sowie Musiktheorie und Harmonielehre. Er spielte bereits 16-jährig mit dem grossen Vibraphonvirtuosen Lionel Hampton.
1971 zog er nach Los Angeles und gründete die Band Transfusion, welche die Hausband im "The Cellar" Club war. Mit Transfusion nahm er auch die gleichnamige LP mit dem Hammer-Track "Moondial" auf. Der wohl aber bekannteste Song in Crate-Digger-Kreisen ist die phänomenale Coverversion des Beatles-Klassikers "A day in the life", zu finden auf der raren Spectrum-LP (1968). Ein grosser Dank geht an Buckwild, welcher uns 1994 mit OC's "Time's up" dieses tolle Sample ausgegraben hat.









Montag, 18. Oktober 2010


The Champ - Einer der ganz grossen Funk/B-Boy-Klassiker. Hier ein seltener Live-Mitschnitt einer KPM Allstars Night vom 6. Oktober 2006 im Jazz Cafe London. Mittendrin statt nur dabei - man steht praktisch live neben Library-Gott Alan Hawkshaw und sieht wie er in die Tasten seiner B3 haut. Irgendwie befremdend und bewegend zugleich, aber das ist wohl normal wenn Studiomusiker auf der Bühne stehen.

Das ganze KPM Allstars line-up war:

Conductors -- Keith Mansfield, Duncan Lamont, James Cameron, James Clarke
Trumpets - Steve Sidwell, Simon Gardner, Noel Langley
Trombones - Cliff Hardie, Colin Sheen, Dave Stewart
Saxes - Andy Mackintosh, Jamie Talbot, Phil Todd
Keyboards - Richard Cottle, Alan Hawkshaw
Guitar - Mitch Dalton
Bass - Dave Richmond
Drums - Ralph Salmins
Guest Drummer -- Brian Bennett
Percussion - Frank Ricotti
Vocals -- Madeline Bell, Kirsty Hawkshaw
Compere -- Peter Cox